Twittern und dabei ein Theaterstück verfolgen

Demnächst wird die ganze Welt im Theater twittern – das nennt sich dann „Digitale Evolution“ – die „Digital Natives“ lechzen angeblich danach. Na klar und die „Generation Youtube“ dreht gleich noch ein Live-Bericht, mitten aus dem Theater – während die Tanzfreunde auf den Sitzen Tanzen und alle anderen sich lautstark unterhalten.
Das Bild zeigt eine Theaterbühne mit heruntergelassenem Vorhang - das Publikum wartet bereits gespannt auf den Beginn des Theaterstücks.
Theatersaal aus dem Blickwinkel eines Zuschauers

Via Smartphone live aus einer Kulturveranstaltung berichten - gut oder schlecht?
Das ist die Frage – die livekritik in einer Blogparade stellt.
Sicherlich kann man hier Kulturveranstaltung sehr vielfältig definieren – ich beschränke mich für meinen Beitrag jedoch auf das Theater.


Smartphone streicheln 

Zugegeben, es gibt Multitasking Talente – aber selbst für das größte Talent gibt es Grenzen. Wenn man sein Smartphone streichelt und gleichzeitig das Bühnengeschehen einer Theateraufführung bis ins kleinste Detail beobachten will – sind diese meines Erachtens erreicht.
Aber natürlich gibt es dafür eine Lösung – eine Lösung, die auch das Theater selbst freuen dürfte – man schaut sich das Theaterstück einfach mehrmals an. Man wird jedes Mal etwas Neues entdecken und sich jedes Mal aufs Neue freuen. Insofern könnte das Smartphone zur Erhaltung des Theaters beitragen.
Eigentlich wollte ich gegen die Smartphone-Nutzung im Theater sein – ach du schöne digitale (R)Evolution.


Taschenlampen aus 

Stellt sich aber noch die Beleuchtungsfrage. Normalerweise ist die Bühne hell erleuchtet und der Saal – dunkel. Wenn nun jeder sein Smartphone streichelt – ist die Dunkelheit im Saal Geschichte. Das könnte mich als Zuschauer stören, aber viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang doch die Frage, wie die Schauspieler darauf reagieren. Bekamen sie doch bislang die „ungeteilte“ Aufmerksamkeit des Publikums. Was passiert, wenn die Schauspieler ins Publikum blicken und alle wie versteinert auf ihre hell erleuchteten Displays blicken? Da sollte man wirklich mal die Schauspieler zu Wort kommen lassen.


Wo endet die (R)Evolution? 

Am Anfang ging es auch noch um Videodreh, Tanzen und lautstarke Unterhaltungen. Irgendwo muss dem Ganzen eine Grenze gesetzt werden. Wo genau diese Grenze gesetzt werden soll (muss), wird das Theater herausfinden müssen. Spätestens, wenn die Besucher ausbleiben, wird man sich darüber Gedanken machen müssen.


Twittern bei Proben 

Eine etwas andere Idee – das twittern während einer Probe. Ich denke hier steckt das wahre Potenzial, ein Blick hinter die Kulissen, sich währenddessen miteinander austauschen und die Neugier anderer wecken.
Das Theater Heilbronn hat die Probe zu „Minsk“ bereits zu einem Twitterer-Treffen gemacht und das noch vor der Uraufführung. Nicht nur das positive Medienecho hat gezeigt, dass es so weitergehen kann – auch die Twitterer waren begeistert.

Kommentare:

  1. Kurz und knackig, aber mit viel Nachdruck. Vielen Dank für diesen Artikel. Ich finde das Thema sehr interessant und verfolge daher sehr aufmerksam diese Blogparade. Ich bin ein theateraffiner Digital Native und auch, das muss ich gestehen, schon sehr mit meinem Smartphone verwachsen, außerdem bin ich ein Befürworter des Social Media Einsatzes von Theatern oder anderen Kultureinrichtungen. Nur, zu genau dieser Live-Bericht-Thematik bin ich sehr zwiegespalten. Sicher kann es viele positive (Marketing-)Aspekte mit sich bringen, aber es gibt auch einige Contra-Punkte, die gut abgewogen werden sollten. Es liegt nun in der Hand der Theater, den geeigneten Mittelwerg zu finden.

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    1. Danke für deinen Kommentar. Ich denke auch, dass die Theater einen Mittelweg finden müssen - letzten Endes werden aber die Zuschauer auch ein Wörtchen mitreden. Stellt sich noch die Frage, was passiert eigentlich, wenn sich Zuschauer über das leuchtende Smartphone ihres Nachbarn beschweren?

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    2. Ich denke, wenn die Theater Live-Tweets erlauben, dann sollten sie spezielle Sitze für die Twitterer bereitstellen. Irgendwo hinten oder so, dort, wo möglichst keine anderen Besucher durch das Leuchten gestört werden.

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